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Montag, 30. November 2009

Von Türmen und Brücken - Gedanken zum Minarettverbot

"In der Schweiz ist der Bau von Minaretten verboten." Die Schweiz folgt damit dem Österreichischen Bundesland Kärnten das 2007 ein Minarettverbot beschlossen hat. Doch das Abstimmungsergebnis hat überrascht, die emotionalen Wellen, die im Vorfeld des Abstimmungskampfes schon hochgingen, kamen am Sonntag in aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Auf der einen Seite Freude, Erleichterung, Genugtuung, dass man trotz der Generalschubladisierung in die rechtsextreme Ecke über 1,5 Millionen Stimmberechtigte für das Minarettverbot gewinnen konnte. Auf der anderen Seite Konsternation, Wut und Solidaritätskundgebungen, die sich zurecht gegen eine falsche Ausgrenzung von Menschen richten, die auf Angst beruht. Eines ist sicher: Die Minarett-Initiative, oder vielmehr die Art wie der Abstimmungskampf geführt wurde, hat unsere Gesellschaft gespalten wie kaum eine Abstimmungsvorlage in den letzten Jahren.

Begegnung mit einem ex-Terroristen
Am Abstimmungssonntag traf ich mich mit EDU-Sympathisanten um den Ausgang der Abstimmung zu verfolgen. Zwei Hauptredner an diesem Treffen waren Araber. Mein Freund Sultan A. erzählte uns seine Lebensgeschichte, wie er mit 16 Jahren der Muslimbruderschaft beitrat, wie er als Terrorist in den Irak reiste um zu töten und getötet zu werden. Alle seine Freunde kamen im Jihad ums Leben, nur er überlebte. Er kehrte nach Hause zurück, wo er heiratete und zwei Kinder bekam. In seinem Eifer für den Islam versuchte er immer wieder, Christen zum Islam zu bekehren. Worauf er sich nicht vorbereitet hatte war die Antwort einer Christin: “Wieso sollte ich eine Religion der Liebe gegen eine Religion des Hasses austauschen?”

Change we can believe in
Diese Antwort machte Sultan so nachdenklich, dass er kurz darauf entschied Isa [Jesus] nachzufolgen und ab diesem Zeitpunkt alle Menschen zu lieben. Sultans Frau tat es ihm gleich worauf sie von ihrem eigenen Vater auf die Strasse gezerrt und dort niedergestochen wurde. Sultan floh und fand Asyl in der Schweiz. Wenn ich mir heute seine Erlebnisse anhöre und mich mit ihm unterhalte, sehe ich ein Strahlen und eine Liebe in seinen Augen die jeden Hassgedanken verschwinden lassen. Doch war auch er sehr dankbar, dass die Minarett-Initiative angenommen wurde, denn diese richtet sich nicht gegen die Menschen islamischen Glaubens, sondern gegen eine Ideologie, die einen Vater dazu bringt seine eigene Tochter zu töten.

…tempus destruendi et tempus aedificandi
Gestern hat das Stimmvolk ein wichtiges Zeichen gegen die radikale islamische Ideologie gesetzt. Das Minarettverbot ist ein deutliches Zeichen an die Regierungen aller islamischer Länder, welche die Menschenrechte prinzipiell nur Moslems zubilligen. Leider wurde der Abstimmungskampf zum Teil mit Angstmacherei geführt, auch argumentierten manche Exponenten zu wenig differenziert. Die politischen “Unsportlichkeiten” einzelner Ja-Stimmenden gipfelten in den Farbanschlägen auf eine Moschee in Genf was äusserst bedenklich ist. So verwundert es nicht, dass sich einige moderate Muslime durch das Abstimmungsresultat persönlich angegriffen fühlen, was ich sehr bedauere. Die Abstimmung hat “Gräben aufgerissen und Gräben offenbart”, kommentiert Peter Schmid auf Livenet.ch. Deshalb mag es an der Zeit sein, sich an eine Aussage König Salomons zu erinnern:

“Es gibt eine Zeit zu zerstören und eine Zeit aufzubauen.” (Pr. 3,3b)

Ich meine, dass das Ja zur Minarett-Initiative notwendig und richtig war. Genauso wichtig ist es jetzt aber wieder Brücken zu bauen und Gefühle der Ausgrenzung - wo es diese geben mag – im Mut zur gegenseitigen Begegnung und im freundlichen, respektvollen Umgang mit dem Anderen zu mildern.

Für ein ganzheitlich “christliches Land”

War das Ja zur Minarett-Initiative nun ein Ja zu unseren christlichen Wurzeln? Ich bin etwas skeptisch, ging es doch in erster Linie um ein Zeichen gegen die Islamisierung. Die Bezeichnung “christliches Land” verdienen wir erst, wenn wir - vorab die bekennenden Christen dieses Landes - unsere Mitmenschen und vor allem die Schwächsten unter uns lieben, wie es Jesus uns vorgelebt hat. Vielleicht ist es kein Zufall, dass uns die Losungen am Tag nach dem Abstimmungsentscheid mahnen Augenmass zu bewahren und von einer kritischen Haltung gegenüber dem Islam nicht in Fremdenfeindlichkeit zu verfallen:

“Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid.” - 2. Mose 23,9

“Seid gastfrei untereinander ohne Murren.” - 1. Petrus 4,9

Seien wir doch gerade in dieser kommenden Weihnachtszeit gastfreundlich mit Menschen, die hier Asyl beantragt haben. Begegnen wir ihnen mit Freundlichkeit, laden wir sie an unsere Weihnachtsfeiern ein, lasst uns sie hier willkommen heissen. So tragen wir zur Integration und Vorbeugung der Islamisierung bei, wie es kein Minarettverbot kann. Ein Sprichwort besagt, dass es leichter sei, das letzte Wort zu haben, als den ersten Schritt zu tun. Das letzte Wort hatten wir offenbar in dieser politischen Entscheidung. Ich hoffe, wir sind mutig genug einen ersten Schritt auf die Muslime in der Schweiz zu gehen ohne dabei unsere Identität aufzugeben.